CFOP Speedcubing-Tutorial: Einführung und Cross

CFOP-Methode: [Einführung und Cross] [F2L]
[OLL] [PLL-Einführung] [PLL, alle Perms]

Die CFOP-Methode ist die verbreitetste Fortgeschrittenen-Lösung für den Zauberwürfel. Sie wird auch manchmal noch Fridrich-Methode genannt – nach Jessica Fridrich, die sie zwar nicht erfunden, aber durch ihre Website im frühen Internet maßgeblich zu ihrer Verbreitung beigetragen hat.

Man kann mit CFOP – entsprechendes Training und jugendliche Fingerfertigkeit vorausgesetzt – Zeiten unter 8-10 Sekunden erreichen, wenn man einen guten Speedcube verwendet. Und man kann damit zu Ruhm und Ehre in der Speedcuber-Szene gelangen. Man kann sie aber auch – wie ich – nutzen, um von Zeiten rund um 1 Minute auf Zeiten im Bereich von ca. 25-30 Sekunden zu kommen, ohne unendlich viel üben zu müssen. Und ohne sämtliche Algorithmen lernen zu müssen, die die richtig schnellen Speedcuber verwenden. Es lohnt sich also nicht nur für sportlich Ambitionierte, sondern auch für Normalo-Würfler, die ihre eigenen Zeiten verbessern möchten.

Übrigens wird CFOP nicht Zeh, Eff, Oh, Pe ausgesprochen, sondern gewöhnlich sagt man sowas wie „Si-Fopp“, so mit stimmlosem S, wie italienisch für Ja (oder englisch sea).

Der Name CFOP leitet sich von der Reihenfolge der Lösungsschritte ab: Cross, F2L, OLL, PLL. Diese werden im Folgenen erläutert.

Für Zauberwürfel-Beginner ist die CFOP- bzw. Fridrich-Methode kaum geeignet – da empfehle ich eher die ausführlichen Beschreibungen der Zauberwürfel-Anfängermethode hier in meinem Blog. Wer eine solche Anfängermethode beherrscht und nun auf die schnellere CFOP-Methode umsteigen möchte, sucht vielleicht einen „sanften Weg“ dorthin. Darum soll es in diesem Artikel gehen. Ein „sanfter Umstieg“ auf CFOP, aufbauend auf der Anfängermethode hier aus diesem Blog. Dazu zunächst einmal ein Vergleich der Lösungswege:

Anfängermethode:
  • 1.1 Das weiße Kreuz (Kanten der ersten Ebene)
  • 1.2 Die weißen Ecken (Ecken der ersten Ebene). 1. Ebene fertig
  • 2. Kanten der mittleren Ebene. 2. Ebene fertig
  • 3.1 Das gelbe Kreuz (Kanten der 3. Ebene drehen)
  • 3.2 Gelbes Kreuz positionieren
  • 3.3 Gelbe Ecken drehen (gelbe Fläche mit korrekt stehenden Kanten)
  • 3.4 Gelbe Ecken positionieren
CFOP:
  • 1. Das weiße Kreuz (Cross, also Kanten der ersten Ebene)
  • 2. Die ersten beiden Ebenen fertig („F2L“ genannt)
  • 3.1 Das gelbe Kreuz (2-Look OLL, Kanten der 3. Ebene drehen)
  • 3.2 Die gelbe Fläche („OLL“)
  • 3.3 Gelbe Steine positionieren („PLL“)

Wie man sieht, ist der Aufbau gar nicht sooo unterschiedlich, weshalb wir einige Teile gut übernehmen können und schrittweise auf CFOP umsteigen können. Auch hier wird zunächst mit dem weißen Kreuz begonnen und dann 2 Ebenen vervollständigt (wenn möglich, allerdings nicht mehr Ebene für Ebene, sondern zusammen). Auch Schritt 3.1 ist (zumindest für Speedcubing-Anfänger) noch gleich – wir benötigen ein gelbes Kreuz aus den Kantensteinen der letzten Ebene. Erst danach, ab Schritt 3.2, unterscheiden sich die Lösungen grundsätzlich.

1. Das weiße Kreuz

Wie man das weiße Kantenkreuz erstellt, sollte aus der Anfängermethode bekannt sein. Allerdings macht man es besser auf der Unterseite des Zauberwürfels. Dadurch sieht man die noch nicht gelösten weißen Kanten besser, und außerdem spart man die halbe Sekunde, bis der Cube gedreht ist.

Wer seine Zeiten wirklich verbessern will, nutzt die Betrachtungszeit („Inspection Time“) vor dem Lösen des Würfels (bei Wettbewerben 15 Sekunden, zuhause aber anfangs gerne mehr), um sich schon eine Strategie zu überlegen, wie man die 4 weißen Kantensteine möglichst mit maximal 7 Zügen richtig zwischen die Centersteine der Unterseite bekommt. Wer hier schon mehr als 10 Sekunden verbraucht, wird den Würfel nicht in unter 10 Sekunden lösen… 😉

Noch eine Anmerkung zur Farbneutralität: Viele Speedcuber beginnen immer mit Weiß, viele andere Speedcuber sind „color neutral“ – sie beginnen daher jeweils mit der Farbe, die ihnen das einfachste Cross anbietet. Wenn man natürlich von den 15 Sekunden Inspection Time schon 10 Sekunden verplempert, um sich für eine Farbe zu entscheiden, dann bleibt nicht mehr viel Zeit, um in dieser Farbe das Cross zu planen. Ob es etwas für Euch ist, farbneutral zu cuben, müsst Ihr selber herausfinden. Hier im Tutorial gehe ich immer von Weiß als Anfangsfarbe aus.

2. Die ersten beiden Ebenen („F2L“)

Wenn das weiße Kreuz gemacht ist, fehlen zum Vervollständigen der ersten beiden Ebenen noch die 4 „weißen“ Ecken und die darüber auf der Mittelebene sitzenden Kantensteine (die weder Weiß noch Gelb enthalten). Man nennt die beiden übereinander liegenden Plätze einen „Slot“. In einen der 4 Slots gehört z.B. die weiß-rot-grüne Ecke mit der rot-grünen Kante darüber. In den Slot gegenüber kommt die weiß-orange-blaue Ecke mit der orange-blauen Kante, u.s.w.

Bei der Anfängermethode macht man erst die 4 weißen Ecken und dann die 4 Kanten darüber, also 8 Schritte. Schneller (und fast genauso einfach) geht es jedoch, wenn man diese beiden Teile der Anfängermethode zusammenfasst und Slot für Slot vorgeht, also statt 8 nur 4 Schritte braucht, indem man jeweils gleichzeitig die passende Ecke und die passende Kante einbaut. Das hatte ich ja auch schon im Anfänger-Tutorial unter Punkt 1.2 als „Abkürzung“ empfohlen. Inzwischen habe ich dazu eine eigene Seite mit Erklärungen und Video gemacht:

CFOP Speedcubing-Tutorial: F2L (First 2 Layers)

Für die „First 2 Layers“, also die ersten beiden Ebenen, kann man natürlich jede Menge verschiedene Zugfolgen auswendig lernen, oder man kann sich einfach mit den Jagdmethoden von Krokodil, Tiger und Adler anfreunden. Oder man bleibt erst einmal bei der schon gelernten Vorgehensweise (Ebene für Ebene) und konzentriert sich zunächst auf die CFOP-Besonderheiten der Ebene 3. Ich würde empfehlen, Krokodil, Tiger und Adler auf die Jagd zu schicken…

3.1 Das gelbe Kreuz

Dieser Schritt geht exakt so, wie auch schon als Schritt 3.1 in der Anfängermethode beschrieben wurde. Also F R U R’ U’ F’ oder f R U R’ U’ f’, vielleicht auch F U R U‘ R‘ F‘ – je nach Ausgangssituation.

Die Profi-Speedcuber lassen diesen Schritt übrigens weg – sie lernen wesentlich mehr Züge auswendig, um nach F2L die Oberseite gleich in einem Rutsch gelb zu bekommen. Wir machen diesen kleinen schnellen Zwischenschritt, und müssen daher im nächsten Schritt nur 7 statt 57 Züge beherrschen („2-Look OLL“ statt vollständiges „Full OLL“, wobei OLL für „Orientation Last Layer“ steht). Man muss schon eine ganze Menge üben, bis man die zusätzlichen 50 Algorithmen so gut beherrscht, dass man sie schneller anwenden kann als ein flottes „Fru-Ruf“ und die 7 Zugfolgen im nächsten Schritt.

Bis zu diesem Schritt 3.1 – gelbes Kreuz – ist der CFOP-Lösungweg entsprechend der Anfängermethode. Als nächstes käme bei der Anfängerlösung das Sortieren der gelben Kanten (mit „Sune“…) und das Wenden und Positionieren der gelben Ecken.

Doch hier geht es jetzt weiter mit CFOP. Da brauchen wir das gelbe Kreuz gar nicht sortieren. Durch unseren Zwischenschritt mit den gelben Kanten („2-Look OLL“) ist der nächste Schritt vergleichsweise einfach geworden:

3.2 Die gelbe Fläche (OLL)

Es müssen als nächstes die gelben Ecken so gedreht werden, dass ihre gelbe Seite nach oben zeigt. Weil alle Positionen wegfallen, bei denen auch noch Kanten gedreht werden müssen, reduziert sich die Anzahl erheblich (2-Look OLL statt das gesamte OLL-Vollprogramm). Also 7 Zugfolgen statt 57. Ich habe sie auf einer eigenen Artikel-Seite ausführlich vorgestellt:

CFOP Speedcubing-Tutorial: OLL (Orientieren der Oberseite)

Auch auf meine Tabelle mit den OLL-Vorbereitungszügen sei an dieser Stelle noch einmal hingewiesen. Denn sie zeigt schön, dass man auch schon mit CFOP beginnen kann, wenn man noch nicht alle der 7 Zugfolgen für OLL auswendig kann. Den Sune-Zug kennt Ihr ja (hoffentlich) schon aus meiner Anfängerlösung, und im Prinzip reicht dieser schon, um loszulegen. Mit jedem weiteren der 7 Züge geht es dann ein wenig schneller.

3.3 Gelbe Steine positionieren (PLL)

Im letzten Schritt geht es nur noch darum, die Steine der gelben Oberseite untereinander zu tauschen, um sie richtig zu positionieren. Diesen Vorgang nennt man „PLL“ (Permutation Last Layer). Danach ist der Würfel mit der CFOP-Methode gelöst.

 

Anfangs reichen dazu 2 Zugfolgen – beispielsweise ein A-Perm (oder der T-Perm) und ein U-Perm. Mit dem ersten sortiert man die Ecken, mit dem zweiten die Kanten. Notfalls muss man sie natürlich mehrfach anwenden. Ich habe mal eine ausführliche Seite dazu gemacht:

CFOP Speedcubing-Tutorial: PLL-Einführung (Sortieren der oberen Ebene)

Insgesamt gibt es 21 solcher Perms. Man muss sie nicht alle lernen (Full PLL), aber mit jedem, den man seinem persönlichen Werkzeugkasten hinzufügt, geht es ein Stückchen schneller. Ich habe die Perms hier im Blog alle einzeln mit Drehbildern und Erläuterungen vorgestellt, aber es gibt auch eine Übersichtsseite über alle Perms:

CFOP Speedcubing-Tutorial: PLL, Übersicht über alle Perms

Damit sollte der „sanfte Umstieg“ von der Anfängermethode auf CFOP im Grundsatz hoffentlich klar sein. Wer sich dann tiefer damit beschäftigen will, vielleicht um auf Wettbewerbslevel zu kommen, wird sich letztlich wohl Full-OLL und Full-PLL aneignen. Wichtiger ist jedoch: Üben, üben, üben. Dann kann man auch schon mit 2-Look OLL und 2-Look PLL ziemlich schnell sein. Viel Spaß und Erfolg mit der CFOP-Speedcubingmethode für den Zauberwürfel.

CFOP-Methode: [Einführung und Cross] [F2L]
[OLL] [PLL-Einführung] [PLL, alle Perms]

Dieser Artikel basiert letztlich auf meinem Artikel „Zauberwürfel schnell lösen: Die Fridrich-Methode“, der am 20. September 2013 im Rolandroid-Blog erschienen ist.

3 Gedanken zu “CFOP Speedcubing-Tutorial: Einführung und Cross

  1. Pingback: Köln und GüterSlow | freshcuber.wordpress.com

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