(Noch mehr) Zauberwürfel für Blinde

Es folgt der erste neue Zauberwürfel-Artikel, den ich hier im neuen Blog veröffentliche. Und es ist gleich ein ziemlich ungewöhnliches Projekt, nämlich 2 neue Touch Cubes für Blinde – und natürlich auch für alle Sehenden, die das mal ausprobieren möchten. Es ist nämlich eine interessante Erfahrung, mal einen Cube nur durch Fühlen zu lösen, ohne zuvor nur einen einzigen Blick auf den vermischten Cube geworfen zu haben.

Im Jahr 2019 war der 3x3x3 Rubik’s Touch Cube schon mehrfach Thema auf freshcuber.de. Im Artikel Zauberwürfel für Blinde habe ich ihn ausführlich vorgestellt. In dem Artikel könnt Ihr auch ein Video von Resi sehen, die blind ist und der ich das Lösen des Rubik’s Touch Cube beigebracht habe.

In Podcast-Folge 17 war der Rubik’s Touch Cube dann auch Thema, und in den Shownotes findet Ihr einige interessante Links dazu. In Folge 18 war Resi dann zu Gast im Podcast und hat ausführlich von ihrer Erfahrung erzählt. Damals kamen schon zwei Ideen auf: Erstens, auch weiteren blinden Personen dieses Hobby zu ermöglichen. Dafür habe ich sogar ein Audio-Tutorial veröffentlicht. Und um die zweite Idee soll es jetzt gehen: Weitere Cubes für blinde Personen. Zunächst bieten sich da wohl der 2x2x2 und der Pyraminx an, denn beide Cubes sind einigermaßen einfach zu lernen und die Felder sind groß genug für fühlbare Symbole.

Meine Idee für neue Touch Cubes war: Auf nem 3D-Drucker fühlbare Plättchen (Touch Tiles) ausdrucken, die das gleiche Farb/Form-Schema wie der Rubik’s haben. Also Weiß ist glatt, Gelb genoppt, Rot quadratisch, Orange trägt ein X, Grün einen Kreis und Blau einen Punkt. Und diese Touch Tiles dann aufkleben auf einen stickerless Cube. So sieht der Scrambler im Wettbewerb die Farben, um seinen Scramble zu überprüfen. Und der Judge sieht auch mit einem Blick, ob der Cube gelöst ist oder nicht. So ist es auch vorgesehen in Regel 3d1a der World Cube Association.

Da ich selbst keinen 3D-Drucker habe, wollte ich eigentlich mal die Lizenz für 3D-Druck in der Stadtbibliothek Köln machen, um dort drucken zu dürfen. Aber netterweise gab es in unserer Runde vom Cubing-Treffen in Köln eine Familie mit 3D-Drucker und entsprechender Motivation. Herzlichen Dank also an Simon und Lukas für die Touch Tiles, die Ihr im Folgenden kennenlernen werdet. Die Lizenz sollte ich aber nächstes Jahr doch mal erwerben. Ist nämlich ne coole Sache, wenn man dort Zugriff auf einen 3D-Drucker hat.

2x2x2 Touch Cube

Nachdem ich die Touch Tiles erhalten hatte, ging es um die Frage, welche Cubes ich damit bekleben wollte. Ohnehin war ich auf der Suche nach einem neuen magnetischen Stickerless-2×2 für mich selbst. Mit dem DaYan TengYun 2×2 M (wie vorne links im Bild, ca. 8 Euro) bin ich zwar sehr zufrieden, aber er ist bisher mein einziger magnetischer 2×2, von dem ich das sagen kann. Und so habe ich ein paar bei ZiiCube bestellt: Hinten links sieht man den MoYu RS2M für etwa 3 Euro. Daneben der MoYu WeiPo WR S 2×2 für etwa 7 Euro. Davor der YJ MGC 2×2 für ca. 4 Euro.

Für den Touch-Umbau habe ich mich letztlich für den RS2M entschieden, also den günstigsten Cube in der Auswahl. Es geht hier ja nicht um maximalen Speed, sondern eher um ein sicheres und präzises Drehgefühl. Außerdem hat er einen recht leicht abziehbaren Logo-Sticker, und die Oberfläche des Cubes wirkt so, als würde Superkleber darauf haften.

Auf dem Bild seht Ihr den kompletten Lieferumfang des RS2M. An den Einstellungen habe ich nichts ändern müssen, und für die Kärtchen mit der Anleitung und den netten jungen Herren hat Resi vermutlich genauso wenig Verwendung wie ich. Ich werde Ihr vermutlich das Lösen nach der 3×3-Anfängerlösung beibringen, sofern sie es sich nicht komplett selbst erarbeiten möchte. Die kann sie ja im Wesentlichen; sie muss sich nur die Kanten und Center weg denken. Lösungsmethoden wie 2×2 Ortega kommen vielleicht später.

Nun kann es losgehen. Touch Tiles liegen bereit, neuen Super-Alleskleber habe ich gekauft. Sekundenkleber wollte ich hierbei nicht verwenden, damit man die Teile noch leicht verschieben kann, bis sie möglichst exakt gerade und zentrisch auf ihren Feldern sitzen.

Den Rubik’s 3×3 habe ich daneben gelegt, um mich bei der Zuordnung der Tiles zu den Farben nicht zu vertun. Begonnen habe ich mit Punkt (auf Blau), weil man da aufgrund des geringen Farbkontrastes wohl am wenigsten merkt, wenn ich schief oder unsauber klebe.

Mit rund gekneteten Patafix Klebepads habe ich die Touch Tiles jeweils aufgenommen, um sie von der Oberseite halten zu können. Dann etwas Kleber drauf, auf dem Briefumschlag kurz hin und her geschoben, um den Kleber auf der Unterseite zu verteilen. Und dann auf den Cube. Nach ner Minute etwa kann man den Klebepad gefahrlos abziehen, ohne noch etwas zu verschieben oder abzulösen. Daher habe ich mit mehreren Klebepads gearbeitet.

Das Ergebnis ist gelungen und macht echt Spaß. Ein gut drehbarer 2x2x2 Touch Cube. Er dreht sich so viel besser als der Rubik’s, dass ich ernsthaft erwäge, auch einen 3×3-Speedcube selbst mit Touch Tiles auszustatten.

Touch Pyraminx

Zunächst aber stand einige Tage später die Beklebung des Pyraminx an, für den mir Lukas und Simon ja ebenfalls Touch Tiles gedruckt haben. Auch hier war ich in der glücklichen Situation, noch einen stickerlosen Secondary Main haben zu wollen. Bisher hatte ich je einen magnetischen Pyraminx mit Stickern und einen stickerlosen. Also habe ich auch hier drei verschiedene Exemplare bei ZiiCube bestellt:

Links auf den Fotos der YuXin Little Magic Pyraminx M für etwa 3 Euro. Von dem YuXin HuangLong Pyraminx M (rechts im Bild, ca. 6 Euro) lässt er sich optisch an den Mittel-Löchern unterscheiden: der Little Magic ist innen gelb, der HuangLong hat Primary Internals, besteht also aus nicht eingefärbten Innenteilen.

In der Mitte sieht man den QiYi Xman Bell Pyraminx V2 M für etwa 8 Euro.

Den Zuschlag für den Umbau mit Touch Tiles bekam auch hier der günstigste Cube, also der Little Magic M. Er ist sehr gut drehbar, aber nicht allzu leichtgängig, auch was die Tips (die Pyramiden-Spitzen) betrifft. Denn beim Blind-Lösen kann man es bestimmt nicht gut gebrauchen, wenn die Tips sich versehentlich verstellen.

Eine weitere Schwierigkeit, die zu berücksichtigen war, ist die Tatsache, dass man einen Pyraminx nur schlecht so abstellen kann, dass er eine waagerechte Fläche auf der Oberseite zum Bekleben anbietet. Die Lösung, die mir hierzu einfiel, ist so einfach wie praktisch: Eine Tasse. Und damit der Pyraminx darin weder seine Kanten verschrammelt noch zu leicht hin und her ruscht, habe ich noch einen (sauberen) Socken ringförmig dazwischen gelegt. So hat das Bekleben sehr gut funktioniert:

Beim Bekleben der gelben und roten Seite musste ich besonders auf eine korrekte Lage der Tiles achten, damit das Ding am Ende wirklich gelöst aussieht. Denn trotz der dreieckigen Grundform haben die Noppen (Gelb) eine quadratische Anordnung, und die Quadrate (Rot) natürlich sowieso.

Bei künftigen Touch Tiles für Pyraminx würde ich hier vorschlagen, dass man die Anordnung ändert, also rotationssymmetrische Tiles herstellt: Die Noppen der Dreiecks-Struktur anpassen, so dass die Lage der Tiles egal ist. Und ebenso Rot nicht als „Quadrate“ interpretieren, sondern als „Kante entlang der Außenform“. Beim Pyraminx wären das hier also Dreiecke. Das ist beides besser zu ertasten.

Außerdem könnte man die Pyraminx-Tiles auch noch einen Millimeter größer machen, was die Ertastbarkeit der Symbole ebenfalls verbessert. Die Noppen (Gelb) sind jedenfalls so nur als rauhe Fläche wahrnehmbar (zumindest für mich als Sehender) und daher leicht mit den Quadraten zu verwechseln.

Das Bekleben der grünen Seite (Kreise) und der blauen Seite (Punkte) war diesbezüglich einfacher, denn beide Symbole sind ja rotationssymmetrisch.

Und damit ist der Umbau auch schon geschafft. Sie sehen doch schick aus, meine 3 Touch Cubes, oder? Nun hoffe ich, dass Resi sie auch gefallen und sie Spaß daran findet, auch den Pyraminx und den 2×2 zu lösen. Falls nicht, ist auch nicht schlimm, wenn ich sie behalten muss 😉 denn ich habe es jetzt ein paar Mal auf dem Weg zur Arbeit ausprobiert und sie machen wirklich Spaß. Es ist eine nette neue Herausforderung, aber schaffbar.

Falls Ihr auch Interesse habt, Euch solche Touch Tiles auf dem 3D-Drucker auszudrucken: Simon und Lukas haben mir freundlicherweise die STL-Dateien zukommen lassen:

Leider akzeptiert WordPress keine unbekannten Dateitypen, und das 3D-Druck-Format .stl ist für WordPress unbekannt. Daher habe ich die Dateien nun in .stl.doc umbekannt. Bevor Ihr sie mit Eurem 3D-Print-Programm öffnen könnt, müsst Ihr also das _.doc am Ende entfernen. Das könnt Ihr gleich beim Speichern erledigen.

Vielleicht gibt es ja bei den Pyraminx-TouchTiles demnächst noch eine Version 2.0, die (wie weiter oben vorgeschlagen) 1mm größer und rotationssymmetrisch ist…

So, das wars zu meinen ersten selbst beklebten Blinden-Würfeln. Es gibt noch einige andere Puzzle, die übersichtlich genug sind, um eine Touch-Version davon zu machen – beispielsweise Rubiks Tower, 2x2x3, 3x3x2, um nur einige zu nennen. Welche würdet Ihr machen? Kennt Ihr blinde Personen, die daran Interesse hätten? Schreibt Eure Erfolgsmeldungen und das, was Euch dazu einfällt, bitte hier in die Kommentare.

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