CuSHan – die alternative Notation für Algorithmen

CuSHan hat zwar die klassische Singmaster-Notation nicht abgelöst, und 2 Jahre nach meinem Artikel ist es mir nicht wirklich im Einsatz begegnet, aber dennoch gehört der Artikel natürlich auch in den neuen Blog, denn eine interessante Spielerei ist CuSHan in jedem Fall:

Gestern (26.02.2020) bin ich in der Reddit-Gruppe r/Cubers auf eine interessante Sache gestoßen, die ich noch nicht kannte: CuSHan, das steht für Cubing Short Hand, und es ist eine alternative Methode zum Darstellen von Zügen auf dem Zauberwürfel. Also eine Alternative zur üblichen Notation mit Buchstaben. Und das sieht etwa so aus:

Die Website cushan.io erklärt dieses neuartige Notations-System ausführlich, auch mit einem Youtube-Video. Wie man der Abbildung aber schon entnehmen kann, sieht der gespiegelte Sexy-Move andersartig aus als der normale. Das Gleiche gilt für Sune und L-Sune, die rechts nebeneinandergestellt sind. Wenn nur rechts, oben und vorne gedreht wird, malt Cushan eine einzelne Linie. Wenn die anderen Layer dran sind, wird durch kleine Platzhalter-Linien angezeigt, mit welchem Layer die Drehbewegung ausgeführt werden soll.

Gibt man einem Neuling die erste Abbildung, also R U R‘ U‘, dann wird er vermutlich R U L D drehen, solange er die Regeln von Cushan noch nicht verinnerlicht hat. Ob das wirklich intuitiv ist? Da fände ich es besser, immer die Darstellung mit den Platzhalter-Linien zu wählen.

Erstes Ziel von Cushan ist es wohl, Verwirrungen bei der Drehrichtung zu vermeiden. Bei F oder F‘ bzw. U und U‘ kann man das noch ganz gut nachvollziehen, wo Uhrzeigersinn und wo Gegenuhrzeigersinn ist. Aber hinten und unten ist dies zugegebenermaßen etwas schwieriger; da vertu ich mich ab und zu beim Scrambeln noch immer.

Aber dafür gibt es ja seit Anfang der 1980er-Jahre eine Lösung: Pfeilgrafiken. Das Bild rechts stammt aus dem Buch „Der Zauberwürfel für Könner“. Ich fand das immer etwas mühsam. Vor Allem, wenn man sich selbst herausgefundene Algorithmen notieren möchte.

Daher verwende ich in meiner Anfängerlösung Pfeilgrafiken „in 3D“, die zusätzlich die Buchstaben der üblichen Notation zeigen:

Ich denke, damit ist das Problem der verwirrenden Drehrichtungen gelöst, und gleichzeitig gewöhnt man sich schon an die Buchstaben, so dass man schon bald in der Lage ist, sich Algorithmen auch selbst einfach notieren zu können.

Allerdings, das muss ich zugeben, ist die Darstellung dieses Zuges in Cushan auch ganz hübsch. Der Generator erkennt automatisch den Sexy-Move in der Mitte und stellt das F bzw. F‘ davor und dahinter.

Also: Was leistet Cushan, ist das eine sinnvolle Neuerung? Mein persönlicher Eindruck bisher ist: Es wird mit viel Aufwand versucht, ein Problem zu lösen, dass es gar nicht gibt. Der Entwickler hat viel Gehirnschmalz investiert, und eine klasse Website + Youtube-Video dazu gemacht. Aber braucht man Cushan? Kann es Anfängern helfen? Ich bin da skeptisch. Und ich hoffe, dass wir bei Wettbewerben zum Scramblen nach wie vor Zeilen wie
F U2 L2 B2 F‘ U L2 U R2 D2 L‘ B L2 B‘ R2 U2
bekommen, und nicht solchen Spaghetti-Code wie Cushan daraus macht:

 

Aber auch wenn mir der praktische Nutzen nicht wirklich einleuchtet, so finde ich doch, dass Cushan eine interessante Entwicklung ist. Irgendwie avantgardistisch. Vielleicht wird Cushan Künstler inspirieren; vielleicht werden sich cubende Teenager auch geheime Botschaften wie rechts zuschicken. 🙂

Aber Cubing-Anfänger sollte man m.E. damit verschonen. Selbst wenn es einfacher wäre: Was nützt es einem im Alltag, Esperanto zu lernen, wenn alle Welt Englisch spricht?

PS (2022): Für den Esperanto-Vergleich habe ich 2020 schon Haue bekommen, wie Ihr in den Kommentaren im alten Blog lesen könnt. 😁

Dieser Artikel erschien zuerst am 27. Februar 2020 auf freshcuber.de.

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